Geschichte von Wiatrakowo

„ Es war einmal …..” so könnte die Geschichte anfangen, denn ihre Wurzeln sind genau so märchenhaft wie zurückliegend….

Vor hundert Jahren lebte ein Müller mit dem Namen Peter. Ob er damals schon Müller war,

weiss man nicht. Sicher ist, dass er in einem Dorf lebte, das einem Adeligen gehörte. Später

sollte sich herausstellen, dass der Adelige nur einen noblen Namen trug. Tatsächlich handelte

er ganz anders.

Der Müller hatte eine Frau und den Nachnamen Czubiński. Es kann sein, dass er auch von

einem heruntergekommenen Adel stammte. Er hatte auf jeden Fall einen Bauernhof, der

wahrscheinlich dem Adeligen gehörte. Wir wissen auch, dass die Frau von Czubiński an dem

Dorffluss Wäsche zu waschen pflegte.

Eines Tages, als sie die Wäsche wusch, und sie war damals hochschwanger, fuhr der Herr

des dortigen Landbesitzes in der Nähe vorbei. Was ganau passiert ist, davon schweigen die

literarischen Quellen. Sicher ist jedoch, dass der Adelige, der sich von seinem Temperament

hinreissen liess, Frau Czubiński grausam schlug. Nach kurzer Zeit starb sie, und das unter

ihrem Herzen getragene Kind. Wir können nur versuchen, uns vorzustellen, wie groß die

Verzweiflung des Müllers war…

Die Zeiten waren zum Glück nicht mehr so, dass ein Herr zum Tode eines von ihm

gesellschaftlich niedriger stehenden Menschen straflos beitragen durfte. Der Bauer war

doch nicht sein Eigentum.Wir wollen daran glauben, dass der Adelige dem Czubiński das

Unrecht wieder gutmachen wollte. Er schenkte dem Witwer ein großes Stück Land und die

Windmühle samt Bebauungen, die Czubiński bewohnte und wo er arbeitete. Der Herr wollte

aber den Müller nicht mehr sehen, damit er ihn an das Unglück nicht erinnerte. Zugleich

hoffte er, dass auf diese Weise die Menschen die grausame Geschichte schneller vergessen

würden.

Das dem Czubiński geschenkte Land bafand sich also weit entfernt, in der Nähe von

Kazimierz Dolny – dort auf den höchsten Högel wurden die Windmühle und die

Holzbebaungen (die Hütte, der Schuppen, die Scheune, der Viehstall) verlegt.

An der neuen Stelle fing der Müller die Arbeit in seinem Fach an. In der Literatur gibt es

leider keine weiteren Informationen dazu. Man weiß, dass er nach einer Zeit Teofila heiratete

und sie hatten Kinder, unter anderen die Tochter Hanna, die später Czesław Iberszer heiratete.

Sie war die letzte Erbin der Familie Czubiński.

Während des II. Weltkrieges wurde die Holzhütte zum Zufluchtsort der polnischen

Partisanen. Nach dem Krieg wurde die Windmühle abgerissen und der Beruf des Müllers

geritt in Vergessenheit. Die Erbin Hanna und ihr Mann beschäftigten sich mit Ackerbau und

Viehzucht für die eigenen Bedürfnisse. Sie bauten auch den Walnussgarten an.

Der Bruder von Hanna, Paweł, wohnte jahrelang einsam in Wiatrakowo. Er war sehr begabt,

er konnte kaputte Uhren, Fahrräder oder Haushaltsgeräte reparieren

Frau Hanna war in den letzten Jahren ihres Lebens an Beinen gelähmt und musste im

Rollstuhl fahren. Unglaublich scheint dies zu sein, berücksichtigt man die Lage von

Wiatrakowo. Hanna war trotz alledem eine sehr starke Persönlichkeit. Sie hielt alles und alle

unter Kontrolle, bis zum Schluss.

Nach ihrem Tode blieb in Wiatrakowo Czesław Iberszer, Hannas Mann, mit dem Sohn

Tomasz. Sie fanden aber immer weniger Zeit und Kraft, sich um das Gebiet zu kümmern…

Eines Tages, im Jahre 1999, an einem Herbstnachmittag, verlief sich in Wiatrakowo ein

junges Paar. Dieser Ort hat es mit seiner Schönheit beeindruckt. Die jungen Luete lernten

Czesław und Tomasz kennen, und nach einem Jahr wurden sie neue Eigentümer von

Wiatrakowo. Der alte Wohnsitz wurde restauriert, hat aber seinen besonderen Charme

behalten. Neben der renovierten „Młynarzówka” ist das Haus „Dom Wiatraczny” entstanden.

In dem alten Schuppen hat Meister Tomas mit Holz und Weide gearbeitet. Die Scheune

wurde wiederaufgebaut – die luxuriöseste Scheune östlich der Weichsel. Es sind auch die

entzückende Grillhütte und der Aussichtsturm entstanden.

Die guten Geister kümmern sich ständig darum, dass verlaufene und müde Wanderer hier eine

Weile Ruhe und Erholung finden… Und so soll es bleiben.

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